Alexandros Karozas hat die Stars an der Angel
Interview mit Ellas.net, 5. Oktober 2008
Über den gesamten Verlauf des Wettbewerbs “Griechische Stimme 2008″ wurde von ihm viel gesprochen aber wenig über ihm berichtet. Vor einigen Wochen hatten wir mit ihm bereits schon ein Interview geführt. Zur Erinnerung werden wir anlässlich des stattgefundenen Finales, für viele Talente das große Ereignis dieses Jahres, hier gleich noch einmal veröffentlichen. Er hat sein Versprechen gehalten, war nach Dortmund gekommen und hat mit seinem lockeren Erscheinen, im Inneren und im Äußeren, vielleicht viele überrascht, doch hat er auf seine Art auf Leute zu- und einzugehen viele Freunde hinzugewonnen. Seine Werke und seine hohe Akzeptanz auf allerhöchster Ebene der griechischen Musikwelt sind unbestritten. Nicht umsonst sitzt er den einen Abend mit Dalaras, den anderen mit Parios und den nächsten mit Hatzigiannis zusammen. Seine Möglichkeiten will er, der noch vor kurzem selbst ein Migrant war, durch eine Reihe von Konzerten nutzen, um uns die Stars hier bei uns gleich um die Ecke zu präsentieren.
Interview vom Juni 2008
Alexandros Karozas lebte seit 1971 bis vor kurzem noch in Frankfurt, Konstantinopel und Berlin. Mit seiner Musik gelang es ihm auf eine natürliche und einfühlsame Art einen Brückenschlag zwischen den Kulturen zu schlagen. Das Bestreben moderne und traditionelle Inspiration in Übereinstimmung zu bringen flossen in seine erste LP “Odysseus des Nordens” und in seine CDs “Hommage à Kavafis”, “Der Traum des Ikaros” und “Opus Xenon”. Bekannt geworden ist Alexandros Karozas als Komponist, durch die Vertonungen der Gedichte von Konstantinos Kavafis und als Produzent von Mikis Theodorakis. Er arbeitete darüber hinaus mit namhaften Künstlern wie George Dalaras, Maria Farantouri, Joan Faulkner u.v.a. zusammen und war an zahlreichen internationalen Musikproduktionen beteiligt. Seinen größten Auftritt hatte er beim Millenniumsevent und der größten Lightshow der Welt von Gert Hof an der Siegessäule in Berlin gemeinsam mit Mike Oldfield. In Griechenland hat Alexandros Karozas die letzten Konzerte mit James Brown veranstaltet sowie mit Jan Garbarek.
ellasnet.de: Aleko, Du hast mit Mikis Theodorakis die CD Oracle produziert. Wie kommt man von Theodorakis über Dalaras Konzerte zu organisieren?
Alexandros Karozas: Die Sänger und Künstler aus Griechenland haben Vertrauen zu mir, weil wir auch musikalisch zusammen arbeiten. Angefangen habe ich mit meinem eigenen Konzert "Der Traum des Ikaros" in der ALTEN OPER FRANKFURT und dann erst mit Dalaras, Theodorakis, Alexiou, Mitropanos etc. Durch den Generationswechsel sind jetzt die jüngeren eher gefragt, eben wie Hatzigiannis und Vertis. Aber auch Michalis Tzouganakis und Remos sind interessant. Allerdings hast Du Recht: Wie kommt ein Musiker und Komponist dazu Konzerte zu veranstalten? Nun es machte mir einfach Spaß und den Leuten gefiel es. Es ist wichtig, dass wir Griechen uns versammeln und wieder sehen. Aber wir hatten auch viele Nicht-Griechen die unsere Konzerte verfolgten. Alles in Allem: Wir sind und bleiben “Metanastes”. Das sollten wir nie vergessen… Übrigens sind Vertis und Remos auch “Metanastes”! Ich werde mich dafür einsetzen auch griechische Musiker aus Deutschland zu fördern. Inzwischen veranstalte ich keine Konzerte mehr, das machen jetzt andere wie z.B. Melina Proikas von Greece on Tour, Takis Mitsidis aus Berlin, Stathis Vasdekis aus Stuttgart u.v.a. Ich habe mich endlich der Musik gewidmet. Helfen tue ich jedoch, wenn man mich fragt.
ellasnet.de: Hast Du in Deiner Tätigkeit innerhalb der Musik Talente entdeckt, wenn ja wen, wann und wie wurde diese gefördert?
Alexandros Karozas: Talente habe ich viele entdeckt. Ich will hier keine Namen nennen, damit ich niemanden vergesse. Gefördert wurden viele. Das Problem ist nur, wie lange man diesen Druck im Showbiz aushalten kann. Jeder der sich dazu entscheidet eine Musiker- oder Sänger - Kariere zu machen, sollte sich im Klaren darüber sein, dass die Musik nur ein Teil ist. Der Rest ist anstrengende Arbeit, vom Studio bis zum Marketing, von Live-Auftritten bis Interviews. Eine ganze Truppe von Leuten arbeiten hinter einem Künstler. Das Wichtigste meines Erachtens ist die Überzeugungskraft die man haben muss. Es genügt nicht nur ein guter Musiker oder Sänger zu sein, oder gut auszusehen. Man muss ein Team haben, das mit harter Arbeit und Elan arbeitet. Zunächst einmal muss man so ein Team finden. Die Plattenfirmen haben solche Teams, aber die kümmern sich in der Regel um bereits große und bekannte Namen. Es ist schwierig in eine Plattenfirma reinzukommen. Aber nicht unmöglich. Wie gesagt: Es ist ein Frage auch der Überzeugungskraft. Wir haben zum Beispiel ein Akkordeonistin in Griechenland produziert und siehe da, da Video ist so gut angekommen, dass sie sogar nach Japan eingeladen worden ist. Man weiß eben nie was kommt. Ihr könnt Euch das Video auf www.youtube.com (einfach "Zoe Tiganouria Libertango" eingeben) ansehen. Es ist also auch eine Frage der Produktion. Auch die sollte überzeugen.
ellasnet.de: Wenn bei unserem Wettbewerb “Griechische Stimme 2008″ eine ganz besondere Stimme dabei sein sollte, welche Möglichkeiten könnte dieser Stimme gegeben werden?
Alexandros Karozas: Er oder sie kann berühmte griechische Sänger treffen und sich mit Ihnen im Studio unterhalten. Wir würden mit dem Gewinner auf jeden Fall einen Song in Athen aufnehmen und ihn an die Plattefirmen schicken. Der Gewinner bekommt eine echte Chance.
ellasnet.de: Was hast Du am 02.10.2008 vor? Denn da ist das Finale unseres Wettbewerbes in NRW.
Alexandros Karozas: Ich komme gern zum Finale, wenn kein Konzert vorliegt.
ellasnet.de: Würdest Du es befürworten, nach der 2. Staffel und mit diesen Erfahrungen den Wettbewerb auf ganz Deutschland auszudehnen?
Alexandros Karozas: Klar, es geht auch viel über Internet heute. Da sind viele Möglichkeiten offen. Ich habe mit einem TV Sender in Griechenland über Eure Aktivitäten gesprochen und die waren sehr interessiert. Macht weiter so.
ellasnet.de: Was ist was Du noch unbedingt verwirklichen möchtest, also welches großes Ziel möchtest Du noch persönlich erreichen?
Alexandros Karozas: Ich habe noch einige Ziele. Man kann ja nicht alle verwirklichen. Wir sind mit George Dalaras gerade dabei das Kavafis Projekt zu vollenden. Danach sehe ich weiter. Persönlich bin ich glücklich, wenn es meiner Tochter, meiner Familie, meinen Freunden und mir gesundheitlich gut geht. Was will man mehr…? Das wünsche ich allen Menschen. Das Leben ist kurz... Obwohl ich seit einigen Jahren wieder in meiner Heimat Griechenland lebe, fühle ich mich doch uns “Metanastes” näher. Vermisse Euch eben… Das wird sich nie ändern. Glaubt mir: Wir sind anders!
Euer Alexandros Karozas